Partnerschaft

Wie verändert die Digitalisierung das menschliche Sexualverhalten?

Japanische Hotels richten sich nach den Bedürfnissen ihrer Kunden und virtuellen Manga-Freundinnen am Smartphone aus. /Bild: Fotolia
Wie verändert die Digitalisierung das menschliche Sexualverhalten?
Melanie Payerl

In der japanischen Küstenstadt Atami, einem beliebten Urlaubsort, der nur eine Stunde von Tokio entfernt ist, finden Beziehungen vermehrt virtuell über das Smartphone statt. Romantische Spaziergänge am Meer, klar doch – die jungen Männer eilen mit ihren Smartphones und ihren Spielekonsolen herum, immer mit dabei ist die virtuelle Freundin. Verantwortlich dafür ist ein sogenanntes Dating-Videospiel namens „Love Plus“. Dass die Japaner bereits immer sehr spezielle Vorlieben hatten, ist vielen bekannt, denn was früher Sexpuppen und Liebeskissen waren, sind heute die fiktiven Charaktere aus dem Videospiel. Die Männer können dabei zwischen drei vorgegebenen Charakteren wählen: Manaka, Nene oder Rinko nennen sich die Manga-Schönheiten. Ein Mann kann dabei entweder die Beziehung zu einer der drei Schönheiten aufbauen, oder aber zu allen dreien. Ein großer Vorteil: die Freundin ist quasi immer am Smartphone dabei, es handelt sich nämlich um fiktive Charaktere. Wie auch im realen Leben ist das Ziel, eine Beziehung zu führen – inklusive gemeinsamen Urlauben oder Restaurantbesuchen. Die Beziehung spielt sich jedoch ausschließlich über den Bildschirm eines mobilen Endgeräts ab. Was für uns Europäer sehr surreal klingt, ist in Japan nichts Neues!

Spiel oder Realität ?

Asian boy

Während es für viele junge Männer bloß ein Spiel ist, verzweifeln andere wiederum daran, dass es kein neues Update für das Dating-Spiel gibt und die vorgegebenen Antworten der Manga-Schönheiten bereits eintönig werden. Im Ferienort Atami sind viele Dinge auf Aufenthalte von jungen Männern mit ihren virtuellen Freundinnen ausgerichtet. Denn in einigen dieser Hotels kann mit der Hilfe eines Codes die fiktive Freundin am Bildschirm erscheinen und auf diese Weise kommuniziert werden. Hier urlauben Männer mit ihren fiktiven Freundinnen, mit denen sie teilweise seit Jahren eine virtuelle Beziehung führen. Gespräche mit diesen jungen Männern zeigen, dass diese Angst vor dem Versagen in der realen Dating-Welt haben.

Auch in Europa vorstellbar?

Bis jetzt sind diese Art von Dating-Videospielen bloß ein japanischer Trend geblieben. Vermutlich aufgrund der unterschiedlichen Kultur und unterschiedlicher Vorlieben. Viele junge Japaner nützen das Spiel, um Erfahrungen für eine echte Beziehung zu sammeln. Die Spieler können sich auch Pluspunkte bei ihren Freundinnen verdienen, indem sie ihnen Geschenke zum Geburtstag kaufen oder mit ihnen in den Urlaub fahren. Was für uns Europäer sehr komisch klingen mag, ist in Japan bereits ein wahrer Selbstläufer und sorgt dort keineswegs für Kopfschütteln.