Augen

Wiener App lässt Blinde Bilder „sehen“

Das Diplomprojekt zweier Studentinnen wurde bereits mehrfach ausgezeichnet ! /Bild: Fotolia
Wiener App lässt Blinde Bilder „sehen“
Trixi Kouba

Zwei Wiener Studentinnen sind für ihr Diplomprojekt „Eye to Ear – Gallery of Audible Imagesmit internationalen Preisen ausgezeichnet worden. Bei dem Projekt handelt es sich um die erste App, die visuelle Kunst für sehbehinderte und blinde Personen mittels Sound wahrnehmbar macht.

Weltweit gibt es 285 Millionen blinde und sehbeeinträchtige Menschen. In Österreich stellen Menschen mit Sehbeeinträchtigung laut des Österreichischen Blindenverbands 3,9 Prozent der Bevölkerung. Die WHO geht davon aus, dass sich die Anzahl an sehbehinderten Menschen in Zukunft verdreifachen könnte. Grund dafür ist eine wachsende und alternde Bevölkerung. In den letzten 20 Jahren ist die Verbreitung aber gesunken. Der Effekt geht mit sozioökonomischen Entwicklungen, erhöhtem Zugang zu Augenmedizinern und einer gesteigerten öffentlichen Aufmerksamkeit auf Lösungen einher.

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Um blinden und sehbehinderten Menschen mehr Eigenständigkeit bei dem Erleben von Kunst zu ermöglichen, entwickelten zwei Wiener Studentinnen eine App im Zuge ihres Diplomprojekts. Die Methode der App basiert auf einer Kombination aus verbalen Beschreibungen und Sound-Interpretationen, die durch verschiedene Gesten kontrolliert werden. Damit wird blinden Menschen die Möglichkeit gegeben, visuelle Kunst wie Gemälde, Zeichnungen oder Fotografieren zu erleben, ohne dabei auf Hilfe von anderen angewiesen zu sein. Der Eindruck eines Werkes wird mit drei Tonebenen übersetzt.

Das Design

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Die App bietet drei verschiedenen „Sichtpunkte“ an. Layout und Text können vergrößert oder verkleinert werden. Alle Menüpunkte der App können laut vorgelesen werden. Das Projekt wurde durch Interviews mit sehbehinderten Personen in Österreich inspiriert. Die beiden Studentinnen Verena Blöchl und Katharina Götzendorfer arbeiteten mit NOUS Wissensmanagement zusammen, um ihr Konzept technisch umsetzen zu können. Sie wurden von der Austrian Association oft he Blind and Visually Impaired begleitet. Nach der Entwicklung wurde die App während einer Retrospektive der bekannten US-amerikanischen Malerin Georgia O’Keeffe im Bank Austria Kunstforum Wien getestet. In diesem Video kann beobachtet werden, wie Eye to Ear funktioniert.

Auszeichnungen

Die Studentinnen der Angewandten holten bei den Awards des Europe Festival of Creativity in Barcelona die Goldauszeichnung in der Kategorie „Student & Young Creative“. Auch in Deutschland errangen die beiden in der Kategorie „Zukunft des Wettbewerbs“ den ersten Rang beim Wettbewerb des Deutschen Designer Club. Auch in anderen nationalen Wettbewerben hatten bereits Erfolg.

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