Gesundheit

Wiener Forscher stellen Immunserum gegen HIV her

Gibt es womöglich bald eine Impfung gegen HIV ? /Bild: Fotolia
Wiener Forscher stellen Immunserum gegen HIV her
Trixi Kouba

In den letzten 30 Jahren waren Versuche, Impfstoffe gegen das Aids-Virus zu entwickeln nicht ertragreich. Die Außenseite des Virus ähnelt körpereigenen Strukturen und löst deshalb keine Immunantwort aus. Wiener Wissenschaftler entwickelten aus der Hülle von Bodenbakterien eine etwas abgewandelte HIV-Oberfläche, mit der man neutralisierende Impfseren gegen das Aids-Virus herstellen kann. Paul Kosma vom Chemieinstitut der Universität für Bodenkultur in Wien änderten durch chemische Synthese die Zellwandstruktur eines Bodenbakteriums. Die HIV-Hülle wurde damit nicht exakt nachgebildet, sondern etwas verändert. Das soll dafür sorgen, dass die Immunantwort des Körpers besser ausfällt. Genau das trat auch ein. Kosma und sein Team publizierten die Ergebnisse im Fachmagazin „Nature Communications“.

Aids-Impfstoff geplant

Die Forscher stellten damit ein Immunserum her. Zusammen mit kanadischen Wissenschaftlern konnten sie beobachten, dass deren Antikörper bei fünf von sieben HIV-Stämmen neutralisierend wirkten. Im Gespräch mit der APA erklärte der Chemiker: „Es gibt Aids-Patienten, die im Verlauf von zwei bis drei Jahren solche Antikörper entwickeln. Wir können diese nun praktisch sofort bekommen„, so der Chemiker. Er halte den Ansatz für vielversprechend, um vielleicht doch noch einen Aids-Impfstoff hervorzubringen.

HIV Facts

HIV wird durch den Austausch von Körperflüssigkeiten mit infizierten Personen übertragen. Das kann durch Samen- oder Scheidenflüssigkeit, Blut oder Muttermilch passieren. Es besteht kein Risiko einer Übertragung beim Küssen, Umarmen, Händeschütteln oder dem Teilen von Besteck oder Gläsern. Der Humane Immundefizienz-Virus zielt auf das Immunsystem und schwächt die Abwehrkräfte der Betroffenen gegen Infektionen und einige Arten von Krebs. Der Virus zerstört und schädigt Immunzellen. Ohne Behandlung führt er innerhalb von zwei bis 15 Jahren meist zu AIDS. Weltweit sind rund 36,9 Millionen Menschen mit HIV infiziert. In Europa gibt es mittlerweile mehr HIV-Infektionen denn je. Afrika ist die am stärksten betroffene Region. Hier leben 25,6 Millionen Menschen mit HIV (Stand 2016). Als High-Risk-Gruppe gelten Männer, die mit anderen Männern Geschlechtsverkehr haben, Personen, die Drogen über Spritzen konsumieren, in Gefangenschaft lebende Menschen, Sexarbeiter und ihre Kunden sowie Transgender Menschen. Eine Heilung für HIV gibt es nicht. Mithilfe von Medikamenten kann der Virus allerdings kontrolliert werden und dabei helfen, Übertragungen zu vermeiden. Betroffene können damit ein gesundes, langes und produktives Leben führen.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) geht davon aus, dass rund 70 % der Betroffenen über ihren Zustand Bescheid wissen. Viele wissen nichts von ihrer Infektion bis sie die späteren Stadien erreichen. In den ersten Wochen nach einer Infektion erleben manche Personen Symptome, die einer Grippe ähneln: Fieber, Kopfschmerzen, Ausschläge oder Halsschmerzen. Da die Infektion das Immunsystem schwächt, können mit der Zeit Symptome wie geschwollene Lymphknoten, Gewichtsverlust, Fieber, Durchfall und Husten auftreten.

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