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Wieso Frauen sexy Selfies schießen

Frauen posten sexy Selfies, um die soziale Leiter hochzuklettern. /Bild: Fotolia
Wieso Frauen sexy Selfies schießen
Trixi Kouba

Im Bett mit zerrauftem Haar, im Badezimmer, gestylt und bereit zum Ausgehen, auf dem Flughafen, im Pool, vor dem Spiegel im Aufzug, hinter dem Lenkrad – Für viele Frauen wird jeder Zentimeter Fläche zum Fotostudio. Ein sexy Selfie nach dem anderen wird auf Facebook und Instagram gespült, in Windeseile kommentiert und mit Emojis behangen. Australische Forscher haben nun im Namen der Wissenschaft mehrere zehntausend sexy Selfies von Frauen genauer unter die Lupe genommen. Ihre Studie zeigt, dass Frauen vorteilhafte Posen posten, um mit anderen Frauen zu konkurrieren und die soziale Leiter in Gesellschaften hinaufzuklettern, die von größerer wirtschaftlicher Ungleichheit betroffen sind.

Frauen sexualisieren sich bei wirtschaftlichen Ängsten

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Für die Studie wurden zehntausend Social Media Postings aus 113 Ländern untersucht. Die UNSW-Forscher rund um die Studienleiterin Dr. Khandis Blake zogen dabei Selfies heran, die mit Stichworten wie „sexy“ oder „hot“ vermerkt waren. „Danach sahen wir uns an, wo das in der Welt am häufigsten geschieht“, so Dr. Blake. „Laut Psychologen ist patriarchaler Druck der häufigste Grund für eine starke Beschäftigung mit dem eigenen Aussehen bei Frauen – Frauen, die in Gesellschaften leben, in denen ihr Aussehen mehr zählt als jede andere Qualität. Das Argument ist normalerweise jenes: wenn du Sexualisierung siehst, siehst du Entmachtung“.

Mit ihrer Analyse zeigten die Forscher hingegen auf, dass sich Frauen stärker sexualisieren, wenn sie in einer Umgebung leben, die stärker von ökonomischer Ungleichheit betroffen ist, als wenn sie aufgrund ihres Geschlechts unterdrückt werden. „Wir fanden stattdessen heraus, dass Frauen eher Zeit und Energie in jenen Ländern investieren, um sexy Selfies online zu posten, in denen ökonomisches Ungleichgewicht ansteigt, nicht an Orten, in denen Männer mehr gesellschaftliche Macht haben und Geschlechts-Ungleichgewicht herrscht.“ so Dr. Blake.  Dieses Phänomen zeigte sich in verschiedenen Ländern auch nachdem andere Einflüsse wie die Bewohneranzahl oder Internetzugang berücksichtigt wurden.

Sexy Aussehen führt zu Erfolg

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Ein Ungleichgewicht beim Gehalt erhöht Angstzustände und Konkurrenzdenken unter Menschen. Das löst den Wunsch aus, die soziale Leiter hinaufzuklettern und andere zu übertrumpfen. „Ob nun gut oder schlecht, in der heutigen Gesellschaft kann ein sexy Erscheinungsbild zu ökonomischem, sozialem und persönlichem Erfolg führen“, erklärt Blake. Dasselbe Muster fanden die Forscher auch bei Ausgaben im echten Leben. Je größer das wirtschaftliche Ungleichgewicht in amerikanischen Staaten, desto mehr gaben Frauen dort in Beauty-Salons und Kleidergeschäften aus.

Wenn also eine junge Frau ihren Bikini provokant vor ihrem Handy herrichtet, seht sie nicht als geistlos oder als Opfer an. Seht sie als strategischer Player in einem komplexen sozialen und evolutionären Spiel. Sie versucht das Beste aus ihrem Leben herauszuholen, so wie jeder andere“, schlussfolgert die Studienleiterin.